Lektorat Vera Hesse

 

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Tipps zur Textüberarbeitung

 

Für alles, was Sie selber können, brauchen Sie mich nicht, während es meine eigentliche Arbeit in hohem Ausmaß aufhält. Deshalb möchte ich Sie bitten, bevor Sie Ihr Manuskript einreichen, es noch einmal hinsichtlich einiger Punkte zu überarbeiten: Hier geht es um all das, was den meisten Autoren nicht bewusst ist und sich laufend wiederholt.

 

 

Wort-Wiederholungen

 

Vorab: Die Königswörter in einem Text sind lebendige, konkrete, anschauliche, aussagekräftige, aktive Verben.

   Mit der Word-Suchen-Funktion ("Bearbeiten - suchen- gesuchtes Wort eingeben") machen Sie Wort-Wiederholungen im Text schnell ausfindig: im ausgedruckten Manuskript markieren und ändern.

 

 

Besonders geht es hier um die Hilfsverben SEIN und HABEN:

 

Und damit öffnen Sie die "Büchse der Pandora", wie sich ein Autor ausdrückte. Seine war allerdings ein Schrankkoffer. ;-))

Alle Hilfsverben wie hatte/ hätte, war/wäre, aber auch wurde/würde und konnte/könnte.

Sie können sie meistens durch Verben ersetzen:

 

Es war zum ersten Mal, dass meine Schwester zu mir kam. Zum ersten Mal kam meine Schwester zur mir/ besuchte mich meine Schwester.

Ich war einverstanden. Ich erklärte mich einverstanden.

Ich war erleichtert. Es erleichterte mich.

..., als wir schon ins Bett gegangen waren, ... ..., als wir schon im Bett lagen, ...

Und wenn er ein paar Minuten warten musste, war sie schon da. ..., lief sie schon zu ihm.

..., war ich fast den Tränen nah. Kamen mir fast die Tränen.

Wieso war das einzige fehlende Bild ausgerechnet das Foto von W.? Wieso fehlte als einziges Bild ausgerechnet …?

 

Er hatte einen Botenjungen. Er beauftragte einen Botenjungen.

Er hatte Recht. Ich gab ihm Recht. Ich stimmte ihm zu.

Ich hatte ein unangenehmes Gefühl. Mich bedrückte … Ich fühlte mich bedrückt.

Sie hatte meine Adresse. Sie kannte/besaß meine Adresse.

Eigentlich hatte ich keine Angst, dass ich sterben würde. Eigentlich befürchtete ich nicht zu sterben.

Es war fünf Uhr morgens, als ich wach wurde. Um fünf Uhr morgens wachte ich auf.

 

4 x war, 3x hatte, auch durch Rückblick im Rückblick:

XXX schaute mich strafend an. Es war noch nicht lange her, da war die Anlandung von Waffen, Material und Agenten an der norwegischen Küste nur deshalb gescheitert, weil Major YYY es versäumt hatte, dem Kapitän des Bootes eine aktuelle Karte über die an der Küste verlegten Minen mitzugeben. Dabei hatte er die neuerliche Verlegung von Minen vor der Küste Norwegens selbst angeordnet! Das Boot war prompt auch auf eine dieser Minen gelaufen und mit dem gesamten Material gesunken. Die Agenten konnten sich gerade noch schwimmend an Land retten. Zwei Fischer waren bei der Explosion ums Leben gekommen. YYY hatte bestritten, die neue Karte je zu Gesicht bekommen zu haben.

XXX schaute mich strafend an. Es war noch nicht lange her, da scheiterte die Anlandung von Waffen, Material und Agenten an der norwegischen Küste nur wegen YYY` Versäumnis, dem Kapitän des Bootes eine aktuelle karte über die an der Küste verlegten Minen mitzugeben. Dabei hatte er die neuerliche Verlegung von Minen vor der Küste Norwegens selbst angeordnet! Das Boot lief auch prompt auf eine dieser Minen und sank mit dem gesamten Material. Die Agenten konnten sich gerade noch schwimmend an Land retten. Zwei Fischer kamen bei der Explosion ums Leben. YYY bestritt danach, die neue Karte je zu Gesicht bekommen zu haben.

 

hatte/war: Vermeiden Sie überflüssige Rückblicke (besonders kurze Rückblicke in Rückblicken …), damit sich „hatte“ und „war gewesen“ (vollendete Vergangenheit) nicht unnötig häufen. Alles, was sich linear erzählen lässt, sollten Sie auch so erzählen.

   Damit sich "hatte" und "war gewesen" nicht auch in notwendigen Rückblicken häuft, eine Möglichkeit: Mit vollendeter Vergangenheit den Rückblick beginnen, dann in der Erzählzeit des Romans (Vergangenheit/Präteritum) fortfahren und mit vollendeter Vergangenheit den Rückblick abschließen, damit er sich von der Zeit her deutlich vom folgenden Text absetzt.

   Der eine mag über diese mühselige Arbeit stöhnen ... der andere tritt die Flucht nach vorn an und übertreibt: Hier und da ist es sehr schwierig, diese "war" und "hatte" anders auszudrücken: Falls es sich lohnen könnte, auch einmal die Wände hochzugehen, tun Sie es und beißen Sie sich durch. Oder lassen Sie Schwieriges ein wenig ruhen und gehen es anderntags noch einmal an. Oder überlassen Sie mir diese harten Nüsse. Manchmal allerdings sollte man es nicht zwingen, z.B. dann, wenn sich entweder der Sinn des Gesagten zu sehr verändern würde oder wenn man es so, wie es da steht, am besten ausgedrückt hat. In solchen Zweifelsfällen dürfen Sie sich in Toleranz üben und ein paar Wort-Wiederholungen stehen lassen. Selbst Goethe hat dies getan, allerdings auch noch dort, wo er es hätte besser machen können.

   Am Ende der Plackerei werden Sie belohnt durch einen Text, der sich allein durch diese kleinen Änderungen lebendiger liest: Das bewirken die Verben.

 

 

dass-Sätze

 

Mir geht es hier vor allem um Häufung von Sätzen mit dass. Also maximal zwei auf einer Normseite toleriere ich noch. Den unten angegebenen "Treppensatz" hat bisher noch keiner verbrochen. Vielleicht werden Sie sich wundern, wie viele dass Sie in Ihrem Text aufspüren?

   Zitiert aus DUDEN Band 9, Richtiges und gutes Deutsch

Treppensätze mit der Konjunktion dass sollte man vermeiden, weil die mehrfache Wiederholung der gleichen Konjunktion eintönig ist. Also nicht: Ich bitte dich, dass du, wenn du P. anrufst, ihm sagst, dass ich in der Zeitung gelesen hätte, dass zu befürchten sei, dass das schlechte Wetter noch länger anhält. Besser ist hier eine Infinitivgruppe oder ein Nebensatz ohne Einleitewort: Ich bitte dich, wenn du P. anrufst, ihm zu sagen, ich hätte in der Zeitung gelesen, es sei zu befürchten, dass das schlechte Wetter noch länger anhält.

 

Umschreibungs-Möglichkeiten ohne Ersatzwörter:

   Ich wusste, dass mein frecher Ton nicht zu meiner Situation passte ... Ich wusste, mein frecher Ton passte nicht zu meiner Situation.

   Es war das erste Mal, dass meine Schwester zu mir nach Deutschland kam. Zum ersten Mal kam meine Schwester zu mir nach Deutschland.

   Also könnte man annehmen, dass ... gewesen war. Also könnte ... doch gewesen sein.

   Wie wichtig es sei, dass wir uns gut verstehen. ..., uns gut zu verstehen.

 

Zusätzliche Möglichkeiten, sich häufendes dass zu vermeiden:

   Mit den Ersatzwörtern wie, ob, weil, wenn versuchen, wenn es inhaltlich passt. (Auch mit falls, damit ist es mir eine Umschreibung schon gelungen: Ich werde alles dafür tun, dass unsere Beziehung nicht auseinander bricht. Ich werde alles tun, damit …)

   Aber (zitiert aus dem Duden):

 

Wie:

Auch wie sollte nach Verben des Erkennens, Bemerkens usw. und des Mitteilens nicht für dass eintreten, wenn nur eine reine Tatsache festgestellt wird.

   Also nicht: Ich bemerkte, wie ganz hinten ein lang aufgeschossenes Wesen stand. Man kann prüfen, ob wie berechtigt ist, indem man es durch auf welche Weise ersetzt.

   Im letzten Beispielsatz passt es nicht, aber in folgendem: Er hat ... zu spät bemerkt, wie in zäher, beharrlicher Selbstarbeit aus einem ... ein ... geworden ist.

 

Ob:

Die Konjunktion ob leitet indirekte Fragesätze ein. Die Konjunktion dass dagegen dient zur Einleitung von Inhaltssätzen, und zwar auch dann, wenn im Vordersatz die Tatsächlichkeit des Geschehens nur als möglich hingestellt, bezweifelt oder gar verneint wird: Ich bezweifle, dass sie kommt. Ich weiß nicht, dass sie kommt. In Fällen, in denen Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit oder Zweifel vorliegt, ist der Sprecher leicht geneigt, ob an die Stelle von dass zu setzen, weil er die Unsicherheit des Geschehens mit der Frage nach dem Geschehen verwechselt. Dies ist ein Fehler. Also nicht: Für den Fall, ob er wichtige Mitteilungen zu machen hat. Ob man das später einmal nachweisen wird, ist nicht ganz ausgeschlossen. Ich bezweifle, ob die Erde rund ist. In allen diesen Fällen steht korrekt dass.

   Ich bin mir nicht sicher, dass er damit einverstanden sein wird  ...  Ich bin mir nicht sicher, ob er damit einverstanden sein wird (ist).

   Ich weiß nicht, dass/ob sie kommt: Abwägen, ob man aus einer Feststellung eine Frage machen will.

 

weil:

Oft wird die Konjunktion weil gewählt, weil sie den kausalen Sinn verstärkt, der durch das etwas farblose dass nicht genügend ausgedrückt erscheint:

   Dieser Schritt wird dadurch/darum notwendig, dass/weil sich die Verhältnisse grundlegend geändert haben.

   Das kommt daher/davon, dass/weil du nicht auf mich gehört hast.

   ..., dass er ihr gezeigt hatte, ...        weil er ihr gezeigt hatte, ...

   weil besonders nach Verben der Gemütsbewegung:

   Ich freue mich, dass/weil schönes Wetter ist.

   Er ärgerte sich, dass/weil er diesen Fehler gemacht hat.

 

wenn:

ist in den Fällen berechtigt, in denen die Möglichkeit besteht, anstatt der Tatsächlichkeit des Geschehens seine bedingte Annahme zu setzen:

   Das ist die Folge, dass/wenn man so gutmütig ist.

   Die Möglichkeit dieses Wechsels ist nicht gegeben, wenn das Geschehen in die Vergangenheit gerückt wird (wäre sinnwidrig): Also nicht: Es ist kaum zu verstehen, wenn X damals diese Lage nicht für sich ausnutzte.

   Etwas anderes ist es, wenn in der Vergangenheit des Geschehens der temporale Aspekt überwiegt: ... und dann schliefen sie ..., und es störte sie nicht, wenn man über sie hinweg schritt (Koeppen). Entsprechend in der Gegenwart: Es stört mich nicht, dass/wenn man über mich redet.

 

 

Lieblingswörter

 

Seine eigenen Lieblingswörter aufzuspüren ist schon schwieriger, aber mit dem Word-Suchen-Programm kann man es sich erleichtern: Alle, die man verdächtigt, eingeben.

 

auch, immer, wieder, noch ...

 

 

Absätze/Einrücken

 

Die erste Zeile eines Textes oder eines neuen Kapitels rücken Sie nicht ein.

   Bei jedem Absatz rückt man in der ersten Zeile genau drei Leerzeichen ein wie hier. Einen neuen Absatz fängt man in einer neuen Zeile an (keine Leerzeile dazwischen) und rückt ihn dort wiederum drei Leerzeichen ein.

   "Wörtliche Rede", erläutert die Lektorin, „rückt man ebenfalls in der ersten Zeile ein.“

   "Wenn ein anderer spricht", sagt ein Autor, "gleichfalls."

   Wenn man sich nur etwas denkt, dachte die Lektorin, setzt man das entweder überhaupt nicht in Anführungszeichen oder nur in einfache wie hier:

   ´Das muss ich noch dazuschreiben`, dachte sie.

   Dasselbe gilt, wenn jemand innerhalb wörtlicher Rede einen anderen zitiert: nur in einfache Anführungszeichen setzen.

 

Nur wenn Sie bei einem Absatz eine Leerzeile  lassen, rücken Sie den Anfang nicht ein.

   Schauen Sie in jedes x-beliebige Buch, wenn Sie einmal unsicher sind.

 

Jede Leerzeile bedeutet eine längere Pause, die den Lesefluss unterbricht. Deshalb sollte man nur dann eine Leerzeile machen, wenn z.B. Ort, Zeit und Personen wechseln, solche eine Unterbrechung also erwünscht ist.

 

 

Zeichensetzen bei wörtlicher Rede

 

(Das Programm will hier allerdings nicht, dass das Anführungszeichen am Anfang  u n t e n  steht.)

 

Duden will vor allem das Komma hinter dem ? + ! bei wörtlicher Rede:

   "Wörtliche Rede", sagte er.

   "Wörtliche Rede?", fragte er.

   "Wörtliche Rede!", rief er.

   Er sagte: "Wörtliche Rede."

 

 

Duden

 

Zudem möchte ich jedem dringend raten, sich wenigstens den neuen Duden anzuschaffen, und zwar nicht nur wegen der neuen Rechtschreibung. Auch ich hatte jahrzehntelang keinen Duden gebraucht. Aber sobald man professionell zu schreiben beginnt, ist er unerlässlich, denn da reicht es nicht, sich nur auf sein meist richtiges Gefühl zu verlassen, oder etwa auf das Rechtschreibprogramm: Man muss sich wirklich sicher sein, dass etwas so und nicht anders geschrieben wird.